Die Rottweiler Narrentypen

Narrenengel

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Der Narrenengel hat Bezug zu den Engelsgesellen der Reichsstadtzeit.

Larve:
Ähnlich einem Schantle, aber nicht sehr geistreich.

Kränzle:
Geraffter, rot- weißer Stoff mit 2 Spiegeln und Bändern besetzt.

Narrenkleid:
Wolltuch in den traditionellen Farben der Stadt, Rot und Weiß.

Kittel:
Rot- Weiß, mit Bändern und Fransen besetzt.

Haube:
Rot Weiß mit Borten und Fransen besetzt. Hut in Form eines Dreispitzes.

Hose:
Rot- Weiß.

Foulard:
3 Stück.

Schärpe:
Rot- Weiß.

Tafel:
Aufschrift: Niemand zu Leid – Jedem zur Freud.

Guller

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Schiermaiers Guller.
Name: Vermutlich war ein Besitzer Scheuermeister.
Erster Beleg aus dem Jahre 1861. Hinweise auf einen Hahnenreiter finden sich auf einer Stuhlwange im Rottweiler Münster (1703). Jetziges Aussehen seit 1907.

Larve:
Männergesicht, das an einen Hahn erinnert.

Narrenkleid:
Cremefarbener grober Stoff. Enge Hose und kurzer Kittel.

Guller:
Angefertigt aus Meerrohr, Seegras, Rupfen, Holz und Stoff und mit braunen Federn besetzt. Schwanz aus Drähten die mit schwarzen Federn besetzt sind. Gamaschen, aus Leder die Sporen und Hahnenfüße angesetzt haben.

Gschell

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spätes 17. JH.
In Rottweil als Narr bezeichnet.

Larve:
Geprägt von der Barockzeit und als Glattlarve bezeichnet. Stellt ein feines Männergesicht dar. Das Material ist Lindenholz. Untergrund für die Fassung ist Kreidegrund (Fassung = Bemalung). Die Fassung wird mit Ölfarbe gemacht und erhält einen transparenten Schutzanstrich (Firnis).

Kränzle:
Es umrahmt die Larve und ist aus hellen Rosshaar. Es wirkt wie eine barocke Perücke. Zwei kleine Spiegel sind als Zeichen der Schlauheit angebracht. Seidenbänder, die in Schlaufen gelegt sind, verzieren das Kopfstück.

Narrenkleid:
Ist aus grober Leine geschneidert. Die Bemalung besteht aus Ölfarbe.

Haube:
(Gugel, Kopfbedeckung des Volkes), bemalt mit drei Köpfen frontal. Am Rand ist sie mit kleinen blauen Bögen begrenzt. Dies erinnert an die Begrenzung von barocken Bildern. Drei Fuchsschwänze (Zeichen der Schlauheit) sind oben an der Haube angesetzt.

Kittel:
Erst im 19. Jh bekam das Gschell einen Kittel. Vorher wurde ein weißes Hemd getragen. Hat die Form eines Spenzers, der am Bund eine gefaltete Rüsche aufweist. Bemalt am Rücken mit Bacchus oder Sonne, an den Armen mit Vögeln oder Blumen. Der Bund und die Enden der Ärmel sind auch mit Bögen bemalt.

Hose:
Ist weit und pluderig geschnitten. Bemalt mit 4 Figuren frontal, die von Efeu umrankt sind. Die Figuren sind auch von der Front gemalt.

Glocken:
Erinnern an Eselsglocken. Sie sind aus Stahl und Leder gefertigt. 6 Riemen mit ca. 48 Glocken werden beim Gschell getragen. Das Gewicht liegt zwischen 11kg und 20 kg.

Foulard:
3 Tücher, die am Kitteln in der Höhe des Brustbeines befestigt sind: sie zieren den Narren.

Narrenwurst:
Ist aus Leder gefertigt und mit Roßhaar gefüllt. Sie ist ein phallisches Symbol oder ein Symbol, das die fleischliche Lust darstellt.

Bemalung:
es sind alles alte Motive wie Tiroler und Türken. Türkenmotive kommen aus der Zeit der Türkenkriege. Es waren Heiden und Gegner der Christen, die man verspottete. Tirolermotive erinnern an den Freiheitskämpfer Andreas Hofer.

Sonderform:
Der Bettelnarr mit nur einem Exemplar. Er ist bekleidet mit einem alten Gschellanzug, einer beschädigten Gschellarve und einem Katzenschwanz an Stelle der drei Fuchsschwänze. Er trägt nur einen Glockenriemen mit einer Glocke und hat über der Schulter einen „Somasack“ hängen.

Biß

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Ende 18 JH.
Das Biß ist eine Abwandlung des Gschell.

Larve:
Stellt ein rauhes Männergesicht mit einem stark ausgeprägten Mund, Lippen und Zähnen dar. Es hat nur einen Fuchsschwanz, aber dafür einen Boschen auf dem Hütle (Boschen = ein Staubwedel aus den Federn von Hühnen).

Glocken:
Ein großes Biß hat bis zu 8 Riemen.

Fransenkleid

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Ende 18 JH.
Im Stil des Rokoko.

Larve:
Stellt ein liebliches Frauengesicht dar.

Kränzle:
Roßhaar schwarz mit zwei Spiegele.

Narrenkleid:
Ist angelehnt an eine Husarenuniform. Es ist aus Satin, Kord oder Wollstoff.
Farben: Rot, Grün, Blau, besetzt mit vertikalen Fransen, die in den Farben zum Kleid passend aufgenäht sind.

Haube:
Besetzt mit Fransen, Dreispitz mit Zylinder in der Mitte, am Rand sind schwarze Fransen und Pompons.

Kittel:
Hat einen schwarzer Samt Brusteinsatz besetzt mit Silberlitzen. Der Ärmel endet mit schwarzen Stulpen, die mit Silberlitzen wie an einer Uniform verziert sind. Am unteren Rand sind Pompons und schwarze Fransen.

Hose:
Ist eine weit geschnittene Überfallhose, die an der Seite meist einen Samtbesatz hat.

Glocken:
An schwarzen Lederriemen befestigt. Es werden insgesamt 4 Riemen getragen.

Foulard:
3 Stück.

Narrenwurst:
Dunkel und kleiner als beim Gschell.
Attribute wie bei Gschell.

Schantle

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vermutlich vor 1700.

Der Alte Schantle war bis ca. 1842 mit einem Straßenanzug und Besen unterwegs. Er wurde im 19. Jahrundert verboten.
Viktor Gassner rief ca. 1860 den heutigen Schantle ins Leben. Es entstand ein edler Schantle mit Gehrock oder Umhang. Er hat statt dem Besen einen Stock oder einen Sonnenschirm bei sich.

Larve:
Kräftiges Männergesicht mit Falten und zum Teil Warzen. Es gibt Einzelstücke, wie Ronny (mit Bart), Briekere (weinende), Lachere.

Kränzle:
Rosshaar schwarz.

Narrenkleid:
Aus Rupfen, Samt (Bezug eines Sofas), grobes Tuch.
Farbe: Braun, dunkelrot, dunkelblau, dunkelgrün.

Haube:
Ist mit Borten und Kokarden besetzt oder er ist bestickt. Ein schwarzer Dreispitz wird als Hut getragen.

Kittel:
Ist mit Borten (z. B. Bierbrauer Stern) und Kokarden besetzt oder er ist bestickt. Am Ärmel sind Stulpen als Abschluss.

Hose:
Am Saum besetzt mit einer Borte.

Foulard:
3 Stück.

Federahannes

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Könnte deutlich vor 1700 entstanden sein.

Larve:
Derbes Männergesicht mit gefletschter Mundpartie. Zwei Hauer kommen aus den Mundwinkeln. Das Rollkinn (Volute) stammt aus dem Barock. Sie wurde in der Zeit bis etwa 1770 als typisch barockes Stilmittel eingesetzt, wobei der eigentliche Ursprung der Volute als gestaltendes Mittel viel weiter in die Vergangenheit reicht. Alte Larven haben ein ausgeprägtes, nach oben gebogenes Kinn.

Kränzle:
Rosshaar schwarz.

Narrenkleid:
Aus Rupfen, Wollstoff, Kord mit weißen Gänsefedern besetzt.
Farben: Braun, Rot, Blau und Grün.

Haube:
Ist mit Federn und Borten besetzt. Der Hut ist ein Dreispitz aus schwarzem Filz. Er trägt einen Gänseflügel als Zier.

Hose:
Normale Hose mit Federn besetzt.

Foulard:
3 Stück.

Stecken:
Eine ca. 2m lange Holzstange, die am Ende ein Kalbsschwänzle hat. Er dient zum Springen und zum Necken der Zuschauer.